Aussetzung der Vollziehung bei der Grundsteuer

Aktualisiert am 15.07.2026 · Recht

Ein Einspruch gegen die Grundsteuer schiebt die Zahlung nicht automatisch auf. Wer trotz Einspruch zunaechst nicht zahlen will, braucht die Aussetzung der Vollziehung. Sie ist ein eigener Antrag mit eigenen Voraussetzungen und nicht in jedem Fall ratsam.

Auf den Punkt: Die Aussetzung der Vollziehung bei der Grundsteuer setzt die Zahlungspflicht waehrend des Einspruchs voruebergehend aus. Sie muessen sie gesondert beantragen und ernstliche Zweifel an der Rechtmaessigkeit darlegen. Wird Ihr Einspruch spaeter abgelehnt, koennen Aussetzungszinsen anfallen.

Warum der Einspruch allein nicht von der Zahlung befreit

Ein Einspruch hat im Steuerrecht keine aufschiebende Wirkung. Das bedeutet: Auch wenn Sie fristgerecht Einspruch eingelegt haben, bleibt der Grundsteuerbescheid zunaechst vollziehbar. Die Gemeinde darf den festgesetzten Jahresbetrag also weiter einfordern. Wer nicht zahlt, riskiert Saeumniszuschlaege und Mahnungen, selbst wenn der Einspruch laeuft.

Die Aussetzung der Vollziehung, oft als AdV abgekuerzt, ist das Werkzeug, um diese Zahlungspflicht voruebergehend anzuhalten. Wie der Einspruch selbst funktioniert, erklaert der Beitrag Grundsteuer-Einspruch einlegen.

Wann eine Aussetzung in Betracht kommt

Die Aussetzung wird gewaehrt, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmaessigkeit des Bescheids bestehen oder die Vollziehung eine unbillige Haerte bedeuten wuerde. Ernstliche Zweifel liegen vor, wenn ein konkreter Fehler erkennbar ist, etwa eine falsche Flaeche oder ein falscher Hebesatz. Allgemeine Verfassungszweifel reichen seit dem BFH-Beschluss vom Dezember 2025 in der Regel nicht mehr aus, da das Bundesmodell dort grundsaetzlich als verfassungsgemaess eingestuft wurde.

Beim richtigen Adressaten beantragen

Den Antrag richten Sie an die Stelle, die den angegriffenen Bescheid erlassen hat. Greifen Sie den Wert oder den Messbetrag an, ist das Finanzamt zustaendig. Beanstanden Sie nur den Jahresbetrag der Gemeinde, richtet sich der Antrag an die Gemeinde. Welcher Bescheid fuer welchen Fehler zustaendig ist, klaert der Beitrag Gegen welchen Bescheid Einspruch einlegen.

Das Risiko der Aussetzungszinsen

Die Aussetzung ist kein Erlass. Sie schiebt die Zahlung nur auf. Wird Ihr Einspruch am Ende abgelehnt, muessen Sie den ausgesetzten Betrag nachzahlen, und es koennen Aussetzungszinsen anfallen. Bei der Grundsteuer geht es haeufig um eher kleine Jahresbetraege, sodass sich der Aufwand und das Zinsrisiko einer Aussetzung nicht immer lohnen.

AspektFolge
Antrag erfolgreich, Einspruch erfolgreichKeine Nachzahlung
Antrag erfolgreich, Einspruch abgelehntNachzahlung plus moegliche Aussetzungszinsen
Kein Antrag, Einspruch laeuftZahlung bleibt faellig

Wann sich die Aussetzung wirklich lohnt

Ob ein Antrag sinnvoll ist, haengt vor allem von der Hoehe des Streitbetrags und der Staerke Ihrer Argumente ab. Bei einem klaren, gut belegbaren Fehler und einem spuerbaren Betrag kann die Aussetzung verhindern, dass Sie ueber Monate eine moeglicherweise zu hohe Steuer vorstrecken. Geht es dagegen um wenige Euro im Jahr oder ist der Ausgang offen, ueberwiegt oft das Zinsrisiko. In vielen Faellen ist es entspannter, den meist ueberschaubaren Jahresbetrag zunaechst zu zahlen und das Ergebnis des Einspruchs abzuwarten. Wird der Einspruch erfolgreich, erstattet die Behoerde die zu viel gezahlte Steuer ohnehin.

Aussetzung bei Grundlagen- und Folgebescheid

Bei der Grundsteuer haengen die Bescheide zusammen. Der Grundsteuerwert und der Messbetrag des Finanzamts sind Grundlagenbescheide, der Jahresbetrag der Gemeinde ist der Folgebescheid. Setzt das Finanzamt die Vollziehung des Grundlagenbescheids aus, wirkt das auf den Folgebescheid durch. Sie muessen die Aussetzung also dort beantragen, wo der eigentliche Fehler liegt. Beanstanden Sie nur einen Rechenfehler der Gemeinde, ist die Aussetzung beim Folgebescheid der Gemeinde der richtige Weg.

Praktisches Vorgehen

  • Zuerst den Bescheid sachlich pruefen und einen konkreten Fehler belegen.
  • Fristgerecht Einspruch einlegen, denn die Aussetzung ersetzt den Einspruch nicht.
  • Aussetzung gesondert beim richtigen Adressaten beantragen und begruenden.
  • Das Zinsrisiko gegen die Hoehe des Streitbetrags abwaegen.

Ob ueberhaupt ein belastbarer Fehler vorliegt, koennen Sie mit unserem Bescheid-Check schnell einschaetzen.

Haeufige Fragen

Muss ich trotz Einspruch zahlen?

Ja, solange keine Aussetzung der Vollziehung gewaehrt ist. Der Einspruch allein haelt die Zahlungspflicht nicht an. Ohne Aussetzung sollten Sie zahlen, um Saeumniszuschlaege zu vermeiden.

Was kostet eine abgelehnte Aussetzung?

Wird Ihr Einspruch nach gewaehrter Aussetzung abgelehnt, zahlen Sie den ausgesetzten Betrag nach und tragen gegebenenfalls Aussetzungszinsen. Die Aussetzung selbst kostet keine Gebuehr.

Reicht ein Verfassungszweifel fuer die Aussetzung?

In der Regel nicht mehr. Nach dem BFH-Beschluss vom Dezember 2025 gilt das Bundesmodell als grundsaetzlich verfassungsgemaess. Fuer eine Aussetzung braucht es konkrete Fehler im eigenen Bescheid.

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Passende Ratgeber

Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Verbindlich sind allein die Bescheide von Finanzamt und Gemeinde. Im Zweifel wenden Sie sich an Ihr Finanzamt, Ihre Gemeinde oder einen Steuerberater.