Hebesatz bei der Grundsteuer: was er bedeutet

Aktualisiert am 29.06.2026 · Grundlagen

Zwei Grundstuecke mit dem gleichen Messbetrag koennen am Ende ganz unterschiedlich hohe Grundsteuer kosten. Der Grund ist der Hebesatz, den jede Gemeinde selbst festlegt. Er ist der letzte Faktor in der Rechnung und entscheidet ueber den Euro-Betrag auf Ihrem Bescheid. Dieser Beitrag erklaert, was der Hebesatz ist und wie Sie damit rechnen.

Auf den Punkt: Der Hebesatz ist ein Prozentwert, mit dem die Gemeinde Ihren Grundsteuermessbetrag multipliziert, um den Jahresbetrag zu bestimmen. Er wird vom Gemeinderat festgelegt und unterscheidet sich von Ort zu Ort stark. Den fuer Sie geltenden Hebesatz finden Sie auf dem Bescheid der Gemeinde.

Was der Hebesatz bedeutet

Die Grundsteuer entsteht in zwei Schritten. Das Finanzamt legt den Messbetrag fest, die Gemeinde wendet darauf ihren Hebesatz an. Der Hebesatz ist damit das kommunale Steuerungsinstrument: Ueber ihn bestimmt jede Gemeinde, wie viel Grundsteuer sie tatsaechlich einnimmt. Ein Hebesatz von 535 Prozent bedeutet, dass der Messbetrag mit dem Faktor 5,35 multipliziert wird.

Die Rechnung mit Beispiel

Die Formel lautet: Jahresbetrag ist Messbetrag mal Hebesatz. Ein Beispiel aus dem Bundesmodell: Ein Grundsteuerwert von 180.000 Euro mal 0,31 Promille ergibt einen Messbetrag von 55,80 Euro. Bei einem Hebesatz von 535 Prozent ergibt das 55,80 Euro mal 5,35, also 298,53 Euro Jahresbetrag. Wie der Messbetrag zustande kommt, lesen Sie unter Grundsteuermessbetrag einfach erklaert.

Warum die Hebesaetze so unterschiedlich sind

Jede Gemeinde setzt ihren Hebesatz selbst fest, abhaengig von ihrem Finanzbedarf. Deshalb reicht die Spanne von wenigen hundert bis ueber tausend Prozent. Ein direkter Vergleich der Hebesaetze zwischen Staedten sagt allerdings wenig aus, weil die Bewertungsgrundlagen je nach Landesmodell verschieden sind. Ein hoher Hebesatz in einer Gemeinde mit niedrigen Werten kann zur gleichen Steuer fuehren wie ein niedriger Hebesatz in einer Gemeinde mit hohen Werten.

Hebesatz und Reform

Viele Gemeinden haben ihre Hebesaetze 2025 angepasst. Der Hintergrund ist die Aufkommensneutralitaet: Die Reform sollte das gesamte Steueraufkommen einer Gemeinde moeglichst unveraendert lassen, nicht die Einnahmen erhoehen. Weil sich die Bewertungsgrundlage geaendert hat, mussten viele Gemeinden den Hebesatz senken oder anheben, um ungefaehr gleich viel einzunehmen. Fuer den einzelnen Eigentuemer kann der Betrag trotzdem steigen oder sinken.

Verschiedene Hebesaetze in einer Gemeinde

Eine Gemeinde legt nicht nur einen Hebesatz fest. Es gibt getrennte Hebesaetze fuer die Grundsteuer A (Land- und Forstwirtschaft) und die Grundsteuer B (bebaute und bebaubare Grundstuecke). Seit der Reform koennen Gemeinden zusaetzlich eine Grundsteuer C mit eigenem, hoeherem Hebesatz auf unbebaute, baureife Grundstuecke erheben. Pruefen Sie deshalb, ob auf Ihrem Bescheid der richtige Hebesatz fuer Ihre Grundstuecksart angesetzt ist. Fuer ein normales Wohngrundstueck ist das der Hebesatz der Grundsteuer B.

So pruefen Sie den Hebesatz

  • Suchen Sie den Hebesatz auf dem Bescheid der Gemeinde.
  • Vergleichen Sie ihn mit dem offiziell beschlossenen Hebesatz Ihrer Gemeinde, der oeffentlich bekannt gemacht wird.
  • Pruefen Sie, ob der Hebesatz zur richtigen Grundsteuerart (A, B oder C) gehoert.
  • Rechnen Sie Messbetrag mal Hebesatz und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem ausgewiesenen Jahresbetrag.

Stimmt der Hebesatz nicht oder ist der Jahresbetrag falsch gerechnet, richtet sich Ihr Einspruch an die Gemeinde, nicht an das Finanzamt. Die Nachrechnung erledigt der Bescheid-Check in wenigen Sekunden.

Haeufige Fragen

Wer legt den Hebesatz fest?

Der Gemeinderat beziehungsweise die Stadtvertretung. Der Hebesatz wird in einer Satzung beschlossen und oeffentlich bekannt gemacht. Das Finanzamt hat darauf keinen Einfluss.

Kann ich gegen den Hebesatz Einspruch einlegen?

Sie koennen einwenden, dass die Gemeinde einen falschen Hebesatz angewendet oder den Jahresbetrag falsch berechnet hat. Gegen die Hoehe des beschlossenen Hebesatzes selbst hilft ein Einspruch dagegen nicht, denn das ist eine kommunalpolitische Entscheidung.

Warum ist meine Grundsteuer trotz Reform gestiegen, obwohl der Hebesatz gesenkt wurde?

Weil sich gleichzeitig die Bewertung Ihres Grundstuecks geaendert hat. Ein gesenkter Hebesatz kann eine deutlich hoehere Bewertung nicht immer ausgleichen. Ob der Bescheid korrekt ist, klaert die Anleitung zum Grundsteuerbescheid pruefen.

Pruefen Sie Ihren Bescheid in zwei Minuten

Werte aus dem Bescheid eintragen, Messbetrag und Jahresbetrag nachrechnen lassen und einen passenden Einspruch erzeugen.

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Passende Ratgeber

Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Verbindlich sind allein die Bescheide von Finanzamt und Gemeinde. Im Zweifel wenden Sie sich an Ihr Finanzamt, Ihre Gemeinde oder einen Steuerberater.